Sonja Hartl

Kudos

Die Schriftstellerin Faye, bekannt aus Rachel Cusks vorherigen Romanen, ist unterwegs in Europa. Auf Literaturfestivals führt sie Gespräche, in denen sie mit Fragen nach Gerechtigkeit und den Aufgaben einer Mutter konfrontiert wird und eindeutig männlich konnotierten Wertvorstellungen im Literaturbetrieb sowie absurd ritualisierten Abläufen begegnet.

Diese Gespräche machen den Roman aus. Faye ist eine sehr unauffällige Erzählerin, eher ein Echoraum, in dem diese Gespräche widerhallen. Immer wieder wird verhandelt, wie sich Identität bildet, welche Rolle die Eltern, das Geschlecht, die Sozialisation spielen. Faye ist eine Schriftstellerin mittleren Alters, geschieden, Mutter zweier Kinder, nun wieder verheiratet und wird immer als Autofiktion von Cusk gesehen, die in geschliffener, pointierter Prosa innovative Wege findet, diese Fragen abzuhandeln. Dazu gehört auch das zweite große Thema dieses Romans: das Scheitern, verbunden mit dem Gefühl, dass etwas passiert ist, was nicht wieder gutzumachen ist. Eine Scheidung, das Verlassen eines Kindes, das Überordnen des eigenen Wunsches über die Bedürfnisse anderer, die öffentliche Demütigung nach dem Veröffentlichen eines Buchs. Wie Cusk sind alle Figuren durch Krisen gegangen und suchen nun nach einem Weg weiterzumachen. (sh)

Erschienen im: BÜCHERmagazin

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© 2019 Sonja Hartl

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